Als am Morgen des 24. April 1946 der erste russische Kampfjet in den Himmel stieg, war der Grundstein für eine neue Generation von sowjetischen Flugzeugen gelegt.

Angetrieben von einem Nachbau des im Krieg erbeuteten BMW 003 Strahltriebwerks, setzte mit der vom Konstruktionsbüro Mikojan-Gurevich entworfenen MiG-9 eine über 45 Jahre dauernde Entwicklungsepoche ein, die letztlich durch eine neue politische Lage und fehlende Gelder weitgehend zum Erliegen kam.

Obwohl keine eigene Technologie für Strahltriebwerke existierte, gelang es den Sowjets 1946 durch Unterstützung eines gutgläubigen englischen Politikers, einen Vertrag über die Lieferung von 55 Rolls-Royce Triebwerken abzuschließen.

Damit wurde es möglich, die MiG-15 18 Monate früher als geplant fertig zu stellen. Parallel dazu entstand bei dem zweiten großen Konstruktionsbüro Sukhoi 1948 die Su-15, ausgestattet mit ersten eigenen Triebwerken.

Das Jetzeitalter war allerdings bereits früher in Deutschland mit der Messerschmitt ME-262 eingeläutet worden. Neuartige Strahltriebwerke machten es möglich, Flugzeuge zu bauen, die nicht nur schneller sondern auch höher fliegen konnten und über wesentlich mehr Leistung verfügten – Eigenschaften, die im Luftkampf von entscheidender Bedeutung sind.

In Russland startete 1948 die Serienproduktion des ersten Kampfjets, der MiG-15, eine nach damaligen Maßstäben technische Meisterleistung, wenn man bedenkt, wie viel Neuland mit der Entwicklung betreten wurde. Innerhalb von 7 Jahren wurden über 16.000 Stück gebaut, von denen noch heute mehrere Hundert Exemplare im Flugeinsatz sind.

Während im Westen Flugzeuge von Unternehmen entwickelt und gebaut werden, gab es in Russland eine Trennung zwischen den sogenannten OKBs (Experimentellen Konstruktionsbüros mit kleiner Werkstatt) und den Produktionsfabriken, die oft Tausende von Kilometern entfernt lagen. Das OKB selbst hatte keinen Einfluss auf die Fabrik und Produktion und wurde nur zur Produktionsvorbereitung und zum Ausbügeln von Problemen benötigt.

MiG wurde 1939 durch Artjom Ivanowitsch Mikojan und Michail Iossifowitsch Gurewitsch gegründet, zwei in ihrer Persönlichkeit sehr unterschiedliche Menschen, die sich hervorragend ergänzten. Mikojan war ein Produktionsspezialist für Flugzeuge, der ursprünglich wenig von Entwicklungsarbeit verstand. Er war ein offener, geselliger Mensch, ein guter Organisator und Umsetzer. Gurewitsch hingegen war unscheinbar, bescheiden und ruhig. Er besaß ein umfassendes technisches und mathematisches Wissen und verfügte über hervorragende konstruktive Fähigkeiten. Aber erst die Zusammenarbeit brachte den Erfolg, den er allein nie gehabt hätte – was auch für Mikojan galt. MiG bedeutet übersetzt aber auch im Nu oder im Handumdrehen, was für das Tempo der Flugzeuge steht.

Pavel Ossipowitsch Sukhoi hatte vor Gründung seines eigenen Büros schon längere Zeit für Tupolev gearbeitet. Er war sowohl ein genialer Konstrukteur als auch ein guter Organisator. Seine Arbeit hob sich durch Neuartigkeit und Individualität von den übrigen Flugzeugkonstruktionen ab und gipfelte 1971 in der Su-27, einem der erstaunlichsten Kampflugzeuge der Welt.

Sukhoi ist weiterhin ein Hauptproduzent für Militärflugzeuge, aus MiG wurde 1995 durch einen Zusammenschluss MiG-MAPO. Das Produktionsprogramm – vorrangig MiG-29 und der Nachfolger MiG – blieb auf niedrigem Niveau bestehen.